Ursachenforschung
Angeregt durch diesen Beitrag drüben bei Jenny, habe ich mal wieder meine Gedanken gesammelt und in Form eines Kommentars bei ihr verschriftlicht.
Ausgangssituation: Sie beschreibt ein Erlebnis mit einer Gruppe Jugendlicher vom bekannten Typus “gewaltbereit, asozial, vermutlich mit Migrationshintergrund” und fragt am Ende:
Ich frage mich einfach, warum so etwas passieren muss. Ob diese Menschen kein Gefühl für Recht haben, für den Schmerz, den sie anderen zufügen. Ob sie bewusst die Grenze überschreiten oder so von Wut erfüllt sind, dass sie blind vor Wut auf alles einprügeln, was sich ihnen in den Weg stellt.
Ich verstehe das einfach nicht.
Mein Kommentar dazu (in leicht abgewandelter Form):
Ich glaube, wenn Du die von Dir gestellten Fragen zuverlässig und erschöpfend beantworten könntest, wärst Du ein sehr wohlhabender Mensch
Denn die Asozialisierung eines guten Teils der Jugend in diesem Land ist eines der ernsthafteren demographischen Probleme, für die man bisher noch keine richtig erfolgversprechenden Lösungskonzepte gefunden hat.
Dinge wie fehlender familiärer und sozialer Rückhalt, mangelnde Bildung, Perspektivlosigkeit (Stichwort: Jugendarbeitslosigkeit) oder fehlende gesellschaftliche Integration sind mit dieser Thematik eng verwoben.
Denn wer tagein tagaus von allen Seiten mitgeteilt bekommt, er gehöre zum Bodensatz der Gesellschaft und sei schlichtweg nirgendwo so recht erwünscht, der entwickelt irgendwann ein recht ansehnliches Gefühl der eigenen Minderwertigkeit.
Wer noch nie für eine Eins in Mathe einen Zehner von Oma zugesteckt bekam, wer noch nie für ein gutes Zeugnis mit einem neuen Fahrrad oder so belohnt wurde, wer seine Erfolgserlebnisse also nicht aus Schule oder Beruf ziehen kann, sucht sich diese Erfolgserlebnisse eben woanders.
Sucht sie z.B. im Kreise seiner Freunde, wo er ernst genommen wird und für ‘Klatschen’, ‘‚Messern’, ‘Aufschlagen’ und ‘Abziehen’ die Anerkennung erntet, die ihm vorher verwehrt wurde.
Daher mangelt es auch an entsprechendem Unrechtsbewußtsein. Daß ‘Abziehen’ schlichtweg einen Euphemismus für Raub oder räuberische Erpressung darstellt, wird gar nicht realisiert.
Ich möchte beleibe keine Lanze für gewalttätige Arschlöcher brechen, auch und gerade, weil ich erst kürzlich in eine ähnliche Situation geriet (der aufmerksame Leser wird sich erinnern).
Ich wollte nur mal anmerken, daß Forderungen nach hartem Durchgreifen, nach Abschiebung und Zwangsmaßnahmen nach meiner Überzeugung am Kern des Problems vorbei gehen. Siehe z.B. die Gangkultur in den Großstädten der USA oder auch die brennenden Vorstädte in Frankreich – beides Beispiele, wo von staatlicher Seite durchaus härter vorgegangen wird, ohne richtigen Erfolg.
Wie man dem Problem Herr werden könnte, weiß ich leider auch nicht. Ich glaube aber, daß der massive Ausbau von Maßnahmen à la Quartiersmanagement, Streetworking und (vor)schulischen Förderprogrammen ein lohnender erster Schritt sein könnte.













2 persönliche Meinungen zu “Ursachenforschung”
Max schrub:
Ich weiß ne Lösung! Killerspiele verbieten!
andy schrub:
Yeah! Sowie Vorratsdatenspeicherung, Onlinedurchsuchung und Rauchverbot.
Muß ja alles seine Ordnung haben, hier…
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