Gewalt
Da laufe ich doch gerade mit 2 Freunden und einer Freundin von der Berliner LARP-Taverne Richtung U-Bhf Alt Tegel, als uns plötzlich eine Gruppe Jugendlicher anhält und doof anlabert: 4 oder 5 “Mann” und ein Mädel, alle mindestens 10 Jahre Jahre jünger als wir.
Ehe ich michs versehe, liegt einer meiner Freunde am Boden und ich höre etwas von “Handys her!”.
Was genau bei den anderen vor sich geht, kann ich in dem Moment nicht verfolgen, dazu bin ich deutlich zu ängstlich und aufgeregt.
Jedenfalls steht vor mir ein blonder Jüngling und fängt an, mich zu begrabbeln. Ich sage ihm, wir wollten keinen Ärger und er solle einfach weitergehen. Zack habe ich erstmal ein Ding in der Fresse. Ich wiederhole mich, wir wollten keinen Ärger, und kassiere direkt den nächsten Schlag, der mir dann die Brille von der Nase kloppt. Seinen dritten Schlag pariere ich schließlich, halte seinen Arm fest, und überlege, was ich nun mache – die anfängliche Angst, Lähmung und Orientierungslosigkeit weicht langsam.
In diesem Moment bekomme ich mit, daß mein zu Boden gegangener Kumpel bereits sein Handy rausgerückt hat, noch um die Herausgabe der SIM-Karte bittet, und diese auch bekommt.
Danach verziehen sich die Typen – wir anderen haben noch alle Habseligkeiten.
Mir geht es erstaunlicherweise relativ gut, “mein” Typ hatte nicht richtig getroffen. Das Gesicht meines zu Boden gegangenen Freundes ist aber recht anständig ramponiert.
Nun, mit einer guten Stunde Abstand dazwischen, kommen natürlich die Fragen:
- Habe ich richtig reagiert?
- Hätte ich nicht mehr machen können?
Ich bin aber, glaube ich, der Auffassung, daß ich mich richtig verhalten habe. Klar, mein Gegenüber wog höchstens die Hälfte von mir, und vermutlich hätte ich ihm locker einen Arm brechen oder ihn durch die Schaufensterscheibe, vor der sich alles abspielte, schmeißen können.
Aber was wäre dann passiert?
Hätte dann einer von denen ein Messer gezückt oder die Situation wäre anderweitig eskaliert?
Ich glaube, wir hatten recht ordentliches Glück, daß alles recht glimpflich abging. Klar, für meinen Freund ist es Käse: Blaues Auge, fiese Beule und das Handy mit allen Telefonnummern, Kalenderdaten, usw. weg.
Aber, wie gesagt, es hätte schlimmer kommen können…













14 persönliche Meinungen zu “Gewalt”
Penispatriot schrub:
Ohne Scheiss, ich hab seit nem bestimmten Kurs der in den quasi Ruinen der Henrichshütte stattgefunden hat, einen Teleskop Schlagstock bei mir gehabt. Gerade in solchen Momenten wenn welche von UNSEREN MITBÜRGERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND aufmucken kann man sowas einfach mal ausklappen und dann ist meistens Ruhe!
Alex schrub:
Allgemein kann man die Fragen natürlich nicht beantworten, sondern eher philosophieren. Bei solchen Angriffen entscheidet normalerweise der erste Moment, wie ist da die Reaktion des Opfers. Durch den Überraschungsmoment hat man normalerweise immer schlechte Karten und steht erstmal dumm da. Da sie nach der Gegenwehr abgerückt sind, gehe ich stark davon aus, dass die Situation nicht eskaliert wäre. Diese Abzieher benutzen fast immer nur Angst als “Werkzeug” und suchen sich immer vermeintlich schwächere Opfer aus, die mit der Situation überfordert sind. Aber letztendlich war deine Reaktion richtig, denn ihr seit davon gekommen.
So lange man nicht irgendeine Form von Training hat ist Gegenwehr meist ein großes Risiko.
MK schrub:
krass. alles gute erst mal.
über solche situationen denke ich oft nach. sie sind mir nämlich noch nie passiert, hab mich noch nie geprügelt… ich hab da also keine einschätzung.
außer im einen bin ich mir ziemlich sicher. wenn ich meine beine unter die arme packe, bekommt mich so schnell keiner. aber man rennt ja nicht einfach weg, wenn freunde dabei sind. auch so will man ja nicht immer einfach wegrennen…
Max schrub:
Puh, Glück im Unglück.
Schade, dass es eine Larp- und keine Reenactertaverne war…
Sonja schrub:
Von außen betrachtet ist man ja immer schnell dabei zu sagen “Gib’ dem eins auf de Mütze!”, aber wenn man selber drinsteckt dann sieht die Sache gaaaanz anders aus. Es freut mich auf jeden Fall, dass es glimpflich abgelaufen ist.
Ich muss Alex übrigens Recht geben: Ohne Training könnte jede Art von Gegenwehr nach hinten losgehen. Klar, die spielen mit der Angst ihrer Opfer und tun erstmal so, als ob sie stärker wären, obwohl sie’s vielleicht gar nicht sind. Aber selbst mit einer ordentlichen Kampfausbildung ist man nicht sicher davor, wenn einer der Angreifer eine Waffe bei sich hat. Dann ist man mit oder ohne Training der Verlierer!
Carsta schrub:
oh man, Andy. Du hast das ja noch mitten in der Nacht aufgeschrieben. Ich war einfach zu fertig, nach der Aktion. Nicht, dass ich groß Angst hatte oder so. Nee, ich habe mich nur böse drüber geärgert, dass ich nix gemacht habe. Keine Abwehrhandlung, keine Hilfe… wir waren einfach zu überrascht von der Situation. Und ich dachte immer, ich sei ein guter Mensch
Gregor schrub:
Ich hoffe mal, Du warst schon bei der Polizei?
andy schrub:
@Penispatriot: Also Migrationshinergrund konnte ich zumindest bei meinem Gegenüber nicht erkennen.
@Alex: Wobei “Gegenwehr” in unserem Falle eher der falsche Ausdruck ist, weil wir alle zu überrascht und überfordert waren.
@Carsta: Das hat nichts damit zu tun, ob man nun ein guter Mensch ist, oder nicht. Als Normalsterblicher ist man bei einer Konfrontation mit körperlicher Gewalt einfach überfordert und zu ängstlich. Das ist vollkommen normal und da brauchst Du Dir auch keinen Vorwurf machen.
@Gregor: Ist schon alles in die Wege geleitet.
Fargo schrub:
Puhhh…krasses Erlebnis das. Da geht einen beim Lesen schon der Puls hoch. Aus der Ferne ist auch schnell immer eine Behauptung aufgestellt, was man selber (vielleicht auch besser) gemacht hätte. Ich für meinen Teil könnte es jedoch nicht sagen, wie ich darauf reagiert hätte. Möglicherweise eben genau so, möglicherweise anders (was bei mir letztlich auch vom Pegelstand abhängt) – und auch wenn es blaue Augen und ein verlustiges Mobiltelefon gab, bin ich der Meinung, dass ihr es letztlich doch richtig angegangen seid.
Schade nur, dass man diese Typen nicht greifen wird.
techpriester schrub:
hm, ich kenn sowas leider auch. solche ereignisse sind auch in kleinstädten, in denen ich bisher so gelebt habe nicht selten. von wegen “böse großstadt”…
eine perfekte reaktion gibts da wohl kaum. wobei ich lieber n paar blaue flecken riskiere, als wichtige wertgegenstände rauszurücken. erfahrungsgemäß greifen solche leute aber eher selten zu wirklich ernster gewalt (also messer oder sowas). irgednwie merkt man das den leuten an, wie weit sie gehen, meistens jedenfalls.
wenn dann doch einer eine waffe zieht, ist aber ohne kampftraining definitiv rennen angesagt.
Thuron schrub:
War ne kagg Situation. Betrunken und müde sind keine guten Voraussetzungen für Fausttanz.
Mao-B schrub:
blöde kiste sowas, aber händi ist verschmerzbar, und solange keine ernsthaften verletzungen bei rumkommen ist es net weiter schlimm.
der schreck und der adrenalinkoller danach war wohl mit das schlimmste…
Fy schrub:
Ich möchte die Situation einmal aus meiner Perspektive beschreiben. Ich bin der mit dem blauen Auge und ohne Mobiltelefon.
Wir vier gingen nebeneinander die Fußgängerzone entlang, als sich eine Gruppe von vier Mann unter uns mischte und ein belangloses Gespräch begann. Eine Frau stand passiv abseits. Ich wurde von ruhig angesprochen („Und jetzt will ich dein Handy“) und nach hinten gedrängt. Wegen meines massiven und schweren Rucksackes ging ich zu Boden und wurde kurz darauf hart ins Gesicht geschlagen. Mehrmals hieß es „Gib mir dein Handy“, und vier Mal antwortete ich, dass ich keines hätte (ich hielt es in der linken Hand in der Jackentasche).
Im Hintergrund begannen die anderen lauter zu reden, denn sie sahen, was geschah. Auf die nächste Drohung antwortete ich „Na kann ick die Karte rausnehmen?“ und erstaunlicherweise hieß es „Ja“.
Nachdem mir das Telefon aus den Händen genommen wurde (Versuch so’n Ding mal im Dunkeln aufzubekommen…) nahm man die Karte raus und gab sie mir. Ich blieb noch ein bisschen liegen, stand dann auf, und schon war die ganze Sache vorbei. Am nächsten Tag erstattete ich Anzeige bei der Polizei.
Was lerne ich daraus?
Es ist taktisch völlig daneben, seine Gruppe von einer anderen durchdringen zu lassen. Dadurch konnte ich separiert werden, die Situation ist insgesamt eine andere, als sie hätte sein können. Grober Fehler.
Ein Schlag ins Gesicht ist so schlimm nicht. Im Ernst, wenn ich mir überlege, wie viel Schiss ich immer so hintergründig vor körperlicher Gewalt hatte, kann ich im Nachhinein nur mit den Schultern zucken.
Fight Club ist und bleibt einer der besten Filme.
Wenn man in ein Gerangel gerät oder einen Schlag abbekommt, ist man nicht notwendigerweise verängstigt. Das ist für mich eine bedeutende Einsicht. Ich habe mich in der Vergangenheit schon in ähnlichen Situationen wie Andi und die anderen befunden. Ich war damals wie gelähmt, und habe mich dafür geschämt. Diesmal war ich nüchtern. Ok, nicht ganz ‚nüchtern’ nüchtern, aber eben rational. Die Situation war kacke, aber ich war nicht überwältigt von ihr. Ich konnte agieren, nicht bloß reagieren. Es geht also.
Wenn einem so was passiert, gleich danach an Ort und Stelle die Polizei rufen.
Hagen schrub:
Ich denke, Gegenwehr sollte man wirklich nur einsetzen, wenn man sich sicher ist, das man nicht den kürzeren zieht.
Ich kam schon mal in eine ähnliche Situation.
Ich bin damals ein paar Schritte auf den Typen zugegangen und habe ihm einfach und klar gesagt, er solle aufhören mich zu drangsalieren.
Daraufhin ist er weggegangen und hat sich wahrscheinlich ein neues Opfer gesucht.
Hinterlasse Deine Meinung!
WICHTIG: Sollte der oben eingetragene Link auf eine rein gewerbliche Seite führen, behalte ich es mir vor, für die hier platzierte Werbung Gebühren einzufordern. Der Rechnungsbetrag errechnet sich wie folgt: 150,- € x pagerank der beworbenen Seite. Er wird jedoch mindestens 300,- € betragen. Mit Klicken des Absenden-Buttons erkennen Sie diese Regelung an und verpflichten sich, die Rechnung innerhalb von 7 Tagen nach Erhalt ohne Abzug zu begleichen.