Gemächtverdrehung galore

Es begab sich zu einer Zeit, zu der mein Vorname noch “Stabsunteroffizier” oder “StUffz” lautete, und ich in der Luftwaffe getreulich diente und tapfer vereidigte (von Arbeit stand nix im Vertrag), daß ich Wachdienst abzuleisten hatte.

Dies war an sich nichts Ungewöhnliches, denn ich freute mich über jeden Wachdienst den ich ergattern konnte. Ob ich nun unter der Woche in meinem Büro oder im Wachlokal herumsaß war mir relativ egal, nach Haus gings eh’ nur am Wochenende, und einen Tag frei gabs obendrein ;)

Eines Abends saß ich also mal wieder in meinem Wachlokal, die Kasernentore waren bereits verschlossen, und bohrte in der Nase onanierte las die Blöd-Zeitung löste Kreuzworträtsel hielt tapfer und getreulich Wache, als das Highlight eines jeden Wachdienstes am Kasernentor erschien: Der Pizzamann.

Ich trommelte also meine Wachcrew zusammen, befahl einen nichtpizzaessenden Gefreiten souverän nach vorn ins Wachlokal (das hatte er nun davon) und freute mich auf meine American Style Salamipizza mit Extra Käse und doppelt Knoblauch.

Mit mir zusammen Dienst hatte Sven. Sven war Hauptgefreiter, ebenfalls Zeitsoldat, und nicht nur aus der gleichen Staffel, sondern sogar aus dem gleichen Bereich wie ich: IV. Zug – Transport und Logistik.

Und als ich gerade in meine leckere, saftige, dampfende, unbeschreibliche kulinarische Genüsse versprechende Pizza beißen wollte, geschah es:

Sven sagte “Mahlzeit!”, setzte sich, schrie auf, fiel vom Stuhl, schrie weiter und blieb erst einmal liegen.

Puh! Schöner Mist!

Wäre ich Mannschafter geblieben, hätte ich mich nun schön aus der Affäre ziehen und alles Weitere dem Wachhabenden überlassen können. Aber nix da!

Also blieb es an mir hängen: Die San-Bereitschaft verständigt, den OvWa benachrichtigt, den Papierkram erledigt, usw.

Der herbeigerufene Sani in Gestalt des überaus ansehnlichen OFw (w) Tanja T******* rief nach kurzer Untersuchung von Svens Gemächt (der Glückliche: An der Frau hatten sich bereits etliche Soldaten die Zähne ausgebissen) die Feuerwehr: Verdacht auf Hodentorsion.

Sven hatte sich also beim Hinsetzen ein Ei verdreht, um es mal salopp zu formulieren.

Der Ärmste bekam noch einen Eisbeutel in den Schritt gepackt, und wurde dann ins Kreiskrankenhaus Bremervörde verfrachtet, wo sich der Anfangsverdacht bestätigte, und er noch am selben Abend in einer Notoperation eben jenen verdrehten Hoden einbüßte. Das ärztliche Gutachten, das ihm ab sofort verminderte Zeugungsfähigkeit attestierte, gab es gleich dazu.

Bereits wenige Wochen später war der gute Sven wieder im Dienst, die WDB war auch bereits unbürokratisch anerkannt worden, und selbstverständlich war ihm der Spott die Anteilnahme der ganzen Truppe sicher.

Heute lebt Sven irgendwo im Elbe-Weser-Dreieck hat Frau und drei Kinder und erhält in Anerkennung seiner im getreulichen Dienst fürs Vaterland erworbenen, partiellen Zeugungsunfähigkeit eine nicht übermäßig hohe aber dennoch ansehnliche Apanage aus der Staatskasse – bis an sein Lebensende.

Ach ich liebe Happy Endings ;)


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